Aussenaufnahme 004

Krisenmodus

Ja, es sind besondere Zeiten. Wir haben es mit einer globalen Krise zu tun, deren Auswirkungen bis jetzt noch nicht gänzlich einzuschätzen sind. Wir können zum Glück diese Zeiten im Kreise unser Liebsten und Vertrauten verbringen, doch was bewegt unsere ausländischen Schüler, die nicht bei ihren Familien sein können, und wie geht es den Eltern der uns anvertrauten Schüler, von denen sie bis zu 8000 km entfernt leben?

Kunju und Xuxuan gaben in einem Gespräch mit Matthias Zander Auskunft über ihre derzeitige Gemütslage. Eingangs kann gesagt werden, dass die Schüler keine große Angst um ihre Gesundheit haben. Sie fühlen sich grundsätzlich wohl und sicher in Deutschland und vor allem im Krüger-Internat, welches den Schülern einen beschützenden Rahmen bietet. Wir erleben unsere Schüler als sehr reif und gefasst im Umgang mit dieser neuartigen Situation.

Die Eltern machen sich da mehr Sorgen, aber unsere Bevölkerungsdichte vor Ort, der geringe Kontakt zur Außenwelt und regelmäßige Telefongespräche oder der Austausch über soziale Medien, haben die Sorgen der Eltern enorm verringert. Das größte Problem für unsere Schüler besteht wohl in dem Umgang mit dem Plus an Zeit, welche tagtäglich im vorher nicht bekannten Maße zur Verfügung steht. Erlebnispädagogische Veranstaltungen können nicht angeboten werden, der schulisch betreute Teil zur Bearbeitung der Hausaufgaben über die Schulcloud umfasst lediglich 2 Stunden am Tag, die Sporthalle ist geschlossen und der Kontakt zu anderen Mitschülern bleibt weitestgehend aus.

Eine Sorge treibt sie aber dennoch um: die Ungewissheit um die Dauer der Krise. Sie haben kein Problem damit, auch während der Osterferien im Internat unterzukommen, da die Ferienwohnungen für die Ferienzeit aufgrund von Corona-Bestimmungen aufgekündigt wurden. Sie haben auch kein Problem damit, in den Ferien das tägliche Angebot des Internats zur Sprachförderung wahrzunehmen, aber die Sorge, vielleicht lange nicht nach Hause zu können, wiegt dann doch schwer.

Zudem ist nicht einzuschätzen, wann der Regelunterricht wieder stattfinden kann. Der fehlende Unterricht ist schwer zu kompensieren, obwohl das Arbeiten mit der Schulcloud laut ihrer Aussage gut funktioniert, den Lehrer aber nicht ersetzen kann. So bleibt das mulmige Gefühl, das Schulziel unter diesen Umständen vielleicht nicht erreichen zu können. Die kommenden Wochen müssen also für Schule und Internat genutzt werden, in diesem besonderen Umfeld außergewöhnliche Instrumente zu finden, um dem Lehrauftrag über das behördlich festgesetzte Maß hinweg gerecht zu werden. Zu beobachten ist, dass mit Hochdruck an einer solchen Lösung gearbeitet wird.

Krisen sind zwar Krisen, aber sie bringen auch große Chancen mit sich. Wir, die Friedrich-Krüger-Stiftung, sind jedenfalls fest entschlossen, aus dieser Corona-Krise gestärkt herauszutreten. Auf die Frage, was unsere Schüler denn bei einem längeren Ausfall des Internets machen würden, kam lediglich die Antwort: „Dann haben wir wirklich eine Krise!“

Ähnliche Beiträge

  • Eine Urkunde zum Jubiläum

    Am 01.07.2021 war Frau Dorothe Hünting-Boll, die Regionalbeauftragte für die Kreise Steinfurt und Warendorf von der IHK Nord Westfalen zu Besuch bei unserem Schulleiter, Herrn Soßna, und hat eine Jubiläumsurkunde anlässlich unseres 75jährigen Jubiläums überbracht. Eigentlich ist dies bereits im Dezember anberaumt gewesen, war aber aus bekannten Gründen leider jetzt erst möglich. Vielen herzlichen Dank…

  • Neue Fächer bringen frischen Wind!

    Als Schule für Wirtschaft und Verwaltung ist es nicht immer leicht, Jugendliche für diese Thematiken zu begeistern. Daher nehmen wir seit diesem Schuljahr am Projekt „Jugend und Wirtschaft“ teil, hinter dem der Bundesverband deutscher Banken, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das IZOP-Institut Aachen stehen. Konkret bedeutet das für die Schüler der gymnasialen Oberstufe, ein Jahr…

  • Pressespiegel zu den Absolventen 2021

    Über die diesjährigen Abschlüsse des Beruflichen Gymnasiums und der Höheren Handelsschule berichteten in den letzten Tagen die NOZ und die IVZ: Neue Osnabrücker Zeitung: Feierlich ins Leben entlassen (25.06.2021) Ibbenbürener Volkszeitung: Krüger-Schulen entlassen Abiturienten (26.06.2021) Neue Osnabrücker Zeitung: Erfolgreich trotz Corona (03.07.2021) Ibbenbürener Volkszeitung: Erfolgreich trotz Corona (05.07.2021) Auch an dieser Stelle noch einmal herzlichen…

  • GKD12-Blog, Teil 5: Tetsuro Watsuji

    „Moralisch hat das Individuum nur eine Wahl: Das Opfer für die Gemeinschaft“ – Tetsuro Watsuji In diesem Artikel behandeln und erläutern wir die These des japanischen Philosophen Tetsuro Watsuji. Unseren Artikel haben wir in folgende vier Punkte gegliedert. Inhaltsverzeichnis Über Tetsuro Watsuji Wichtiges zu seiner These:Wie kam er zu der These? Von wem oder was…

  • GKD12-Blog, Teil 8: Herbert Marcuse

    Das, was ist, kann nicht wahr sein In seinem Buch „der eindimensionale Mensch“ zitiert Marcuse diesen von Ernst Bloch stammenden Satz, um den Unterschied zwischen eindimensionalem und zweidimensionalem Denken klarzumachen. Demnach soll dieser Satz klarmachen, dass die Philosophie die Wirklichkeit nicht so lassen soll, wie sie ist, sondern sie infragestellen soll. In diesem Sinne gibt…

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Vertiefende Infos über Internat und Schulen direkt in Ihr Postfach